HANNAH

allmächdwer bin ich? woher komme ich und wohin will ich? diese fragen beschäftigen sicherlich nicht nur mich, sondern auch meine – virtuellen oder realen – freunde der pixel, stifte und buchstaben. in 2 d und 3d. deshalb stelle ich unter der rubrik VISUAL VIBRATIONS in unregelmäßigem abstand gestalter-und/oder shopfreunden ein paar neugierige fragen und stelle sie euch mit ihren antworten vor. und weiter geht’s heute mit HANNAH, grafikerin & hand lettering artist aus nürnberg.

wer: die hannah, vorwärts wie rückwärts
wo: lebt und liebt im schönen nürnberg
wie:  frohnatur, optimistin und buchstabenfee

barbeque
wie sieht es in deinem kopf aus?
hin & wieder schaffe ich es, das zerwühlte wollknäuel mal wieder aufzuwickeln und zu ordnen. ansonsten herrscht kreatives chaos da oben. tausende eindrücke, bilder, impressionen, inspirationen, ideen, situationen, menschen, konstellationen, erinnerungen, gutes, schlechtes, liebes, böses. und: irre viele buchstaben.

büro
auf deinem schreibtisch?
mein eigentlicher schreibtisch, bzw. arbeitsplatz, den ich erst vor kurzem mit meinem mann gebaut und eingerichtet habe, ist super aufgeräumt. was aber vielmehr daran liegt, dass ich einen wunderbaren nebeneffekt an meinem job habe: ich packe einfach stift & block in meinen rucksack, radel ins lieblingscafé oder auf eine wiese und arbeite dort.

d.h. mein „schreibtisch“ ist oftmals der café-tisch, der bartresen oder die decke am see (hallo sommer!). ansonsten finden auf meinem sehr langen schreibtisch der iMac & der drucker und eine alte schreibtischleuchte ihren platz. stifte und co. sind mittlerweile brav sortiert in schüben. ich räume übrigens immer auf, wenn ich mit stiften und papier gewerkelt habe.

wenn du aus dem fenster schaust?
kommt darauf an aus welchem. mein lieblings-fenster ist natürlich das zum balkon, also eher die balkontür. als bekennende raucherin auch mein liebster platz (und ausschließlich da). da hab ich außerdem auch meinen nächsten schreibtisch: der balkontisch. ich kucke ein wenig ins grüne, habe liebe nachbarn und massig blumen um mich herum.

mein typo-prof in mainz sagte immer „ohne herkunft, keine zukunft“. also, liebe hannah, woher kommst du (und deine faszination für buchstaben in jeglicher form) und wohin soll die reise gehen?
mynamewoher: ich bin eine waschechte fränkin; geboren und aufgewachsen in einem kleinen bergdorf in der nähe von bayreuth (oberfranken), danach hat mich irgendwas geritten und ich wollte nach nürnberg (mittelfranken). hier bin ich nun seit 2008. ich bin leidenschaftliche bier-trinkerin und da leben wir franken natürlich im mekka.
ich hab es nicht weit nach hause zu meinen lieben raben und komme auch von hier aus schnell in alle himmelsrichtungen. nürnberg ist nicht zu groß und nicht zu klein – eine wunderbare basis. und ich bin froh, dass ich nach meinem studium nicht (wie viele andere) sofort nach berlin oder hamburg gerannt bin. der gedanke zahlt sich gerade aus.

in nürnberg, genauer gesagt bei faber-castell, habe ich auch meine liebe zu den buchstaben entdeckt. dort bin ich, kurz vor meinem studium, das erste mal so richtig mit kalligrafie in berührung gekommen. es hat nicht lange gedauert und ich dachte mir: „boah, buchstaben sind ECHT schön.“ was zur folge hatte, dass ich ab da nicht mehr gegenständlich und figurativ gemalt oder gezeichnet habe, sondern schriften. ich habe mir im laufe der jahre unendlich viele schriften angesehen und z.T. einfach nachgezeichnet. somit lernst du irre viel über die anatomie von buchstaben, entdeckst ihre besonderheiten, lernst viel über abstände zueinander und entwickelst ein auge für harmonie. das alles war vor ca. sechs jahren. seitdem haben sie mich voll im griff und ich liebe alles, was auch nur im entferntesten mit buchstaben, schrift und schreiben zu tun hat. das schönste daran: sie sind ÜBERALL. ;-)
musikich weiß, was ich kann und ich weiß, was ich liebe. ich kucke von natur aus liebend gerne über den tellerrand und versuche so viel wie möglich zu verreisen; v.a. städte haben es mir angetan.
zuhause bin ich aber gerade einfach hier in nürnberg – nicht zuletzt der liebe wegen. ich bin noch jung und es gibt sehr viele ziele auf meiner liste. deshalb ist die reise gerade auch mehr das „v e r reisen“ – konkrete pläne, wo ich mal landen werde (und ob überhaupt) gibt es momentan nicht.

wenn ich nun auch mal lettern „will“, womit fange ich an? „lettern“ ist aber schön gesagt … wie oben schon erwähnt, finde ich es sehr wichtig oder auch einfach spannend, sich viele verschiedene schriften (fonts) anzusehen und ein wenig zu untersuchen. da kann man am heimischen computer „Word“ öffnen und stöbern, oder einfach vor die tür gehen und sich schilder, reklamen, hausbeschriftungen etc. pp. ansehen. die möglichkeiten sind unbegrenzt und schrift ist – wie gesagt – überall.

menu

wie bei vielem ist aber eigentlich nur eines wichtig: lust haben, es zu machen! (eine ruhige hand ist auch nicht schlecht – also nicht zu viel kaffee vorher.) wenn ich mir alte skizzenbücher oder kalender anschaue, in denen ich mich mit meinen ersten buchstaben versucht habe, muss ich natürlich auch schmunzeln. aber es ist halt, wie bei allem anderen auch, ein lern- und übungsprozess. man muss sich ausprobieren, ein gefühl entwickeln. such dir (d)ein lieblings-wort oder -satz oder -textstelle raus. danach überlege ich mir meistens schon: welches wort schreibe ich in welcher schrift / in welchem stil. ist es besonders von bedeutung, ist es ein „dickes“ oder „dünnes“ wort? ein verspieltes oder geradliniges. diese gedankengänge finde ich spannend. man gibt dem wort dadurch irgendwie einen charakter, eine kleine persönlichkeit. beispielsweise kann ich „blümchenwiese“ auch mit einer breiten feder in einer fetten fraktur schreiben, statt zart und verschnörkelt… bevor man sich fancy brush-pens oder sonstiges kauft, tut es auch der good old bleistift. mit dem arbeite ich selber noch viel und mache vorzeichnungen.

karten

wie entwickelt sich der eigene stil?
der eigene Stil… diese wunderbare allerweltsformulierung. eigentlich mag ich die gar nicht. und ich muss immer überlegen oder komme kurz ins stocken, wenn jemand sagt: „wow hannah, man erkennt einfach sofort, dass du das warst/ deinen stil!“ – das freut mich einerseits unheimlich, aber dann denke ich nach:
„ist das wirklich schon mein stil?“. erst vor wenigen wochen hatte ich ein kleines formtief und musste einfach etwas neues ausprobieren. wenn du über jahre „nur“ mit stift oder feder auf papier schreibst, ist man damit halt irgendwann durch. geht ja jedem künstler so. was vielleicht zu meinem wiedererkennungsfaktor beiträgt, ist mein schrecklicher perfektionismus: fluch & segen zugleich! das schönste kompliment für mich war lange: „boah, das sieht ja aus wie gedruckt!“ auch das freut mich heute immernoch. ich bin eben sehr akribisch.

universe

seit einiger zeit probiere ich neues aus und arbeite bspw. jetzt auch mit der dose und habe meine ersten schriftzüge als graffiti an (natürlich legale) wände gemalt. allein das hat mich sehr viel weiter gebracht und – noch wichtiger – macht mich glücklich! ich denke so richtig 100%ig angekommen bin ich bei meinem stil selber noch nicht. aber vielleicht empfinde auch nur ich das so.

gibt es eine allgemeine herangehensweise an lettering-layouts oder macht das jede/r künstler anders?
ich würde schon behaupten, dass das jeder künstler anders macht. je nachdem, welchen stil der künstler so hat (da wären wir wieder beim thema ;-) ). eine spannende komposition, also wie wort / text im format sitzt ist nie verkehrt. farben oder schwarzweiß? vorzeichnen oder quick’n’dirty – ach, es gibt so unendlich viele möglichkeiten und auch ich verfolge da nie wirklich ein schema. habe ich lust auf etwas „roughes“, das ich locker-flockig hinschreibe, oder setzt ich mich mit lineal & bleistift bewaffnet hin, um ein mehrstündiges bild zu erstellen (oder konstruieren)? das ist auch so lust- und laune-abhängig.

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manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich im laden stehe und besonders schönes papier streichele, oder an büchern rieche. welche stifte sind dir so ans herz gewachsen, dass es ohne sie einfach nicht geht?
ich bin auch ein haptiker – durch und durch. ich muss alles anfassen. mein mann lachte erst kürzlich herzlich darüber, als wir auf dem flohmarkt unterwegs waren. jedes mal, wenn ich ein altes schild oder irgendetwas mit buchstaben gesehen habe, habe ich es berührt und den buchstaben gestreichelt – mir war das allerdings gar nicht so bewusst. ich mache das einfach so gerne. das gleiche mit papier oder stiften. ans herz gewachsen sind mir seit einiger zeit die „touch“ pens von pentel. da ich mittlerweile die „brush“ technik (also das lettering mit einem stift mit einer pinselspitze) für mich perfektioniert habe, vergleicht man im laufe der zeit natürlich marken. pentel kann ich da wärmstens empfehlen.

sagenhaft

für feine arbeiten sind die fine-liner von pigma (micron) die renner in der szene ;-) sie haben eine tolle, sehr, sehr hoch pigmentierte farbe und es gibt sie in vielen verschiedenen breiten.
für kalligrafische arbeiten – wenn’s mal schnell gehen muss, also nicht mit feder – sind die „parallel pens“ von pilot unabdingbar. die farbe kommt aus patronen und man muss nicht nachfüllen. ansonsten: ein lieblings-füller darf nicht fehlen. da bin ich momentan schwer verliebt in meinen kleinen,
kupferfarbenen von „kaweco“.

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bei wem spickelst du? wo findest du deine inspiration?
meine tägliche portion input und inspiration hole ich mir v.a. via instagram. da folge ich fast ausschließlich anderen lettering künstlern, designern und kreativen. dafür ist diese plattform echt gold wert. wen ich sehr feiere sind: THEOSONE, Seb Lester, James Lewis oder Jonathan Faust (alle so bei instagram zu finden). alle schreiben sie, aber verkörpern so völlig eigene stile (haha) und techniken. das fasziniert mich. inspiration finde ich ansonsten tatsächlich einfach überall. oft auch in ganz einfachen gesprächen oder bei smalltalk mit freunden im café. da muss nur jemand ein wort sagen, das ich witzig und interessant finde. oft fällt dann von mir oder anderen der satz: „hannah, das musst du mal schreiben!“. so wächst meine liste in meinem schlauen buch immer weiter. worte, textpassagen (aus liedern, gedichten, filmen …) und aufgeschnappte gesprächsfetzen, … :-)

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hast du lieblingsbuchstaben oder ligaturen, die dir besonders liegen? und genauso vielleicht auch klitzekleine abneigungen?
ohne egoistisch zu klingen: das große „H“ finde ich fantastisch. auch das alte „z“ (groß und klein), das verwende ich auch in meiner handschrift (wenn man das noch so sagen kann ;-) ).
mit wem ich tatsächlich noch gar nicht so warm geworden bin ist das große „N“. aber ich gebe uns noch lange nicht auf!!! ligaturen sind, gerade im hand lettering, auch oft möglich und entstehen auch oft ungewollt. aus einem schwung oder tropfen heraus kann man einen neuen buchstaben(teil) entstehen lassen… das ist wunderbar!

hast du einen graphicus maximus, mit dem du gerne mal einen langen abend über design und gott und die welt philosophieren würdest? wenn ja, wer?
ich glaube es wäre eine bunt gemischte runde an einem tisch:
das wären die typografen vincent connare (comic sans) und hermann zapf. das wäre walter gropius, der bauhaus gründer. das wären coco chanel & karl lagerfeld. das wäre seb lester. und das wäre domian.

ja, ich glaub das ist ne sehr interessante mischung. man würde wohl über ästhetik, schönes und hässliches, über anerkennung und verachtung sprechen. über objektive & subjektive wahrnehmung, über psychologie und emotion.

galerie

warum stehst du morgens auf?
morgens ist nicht immer easy für eine eigentliche nachteule wie mich. ich hab schonmal überlegt meine geschäftszeiten von 22 bis 6 Uhr zu machen. spaß! weil ich nach kurzer zeit wirklich hummeln im allerwertesten bekomme. ich will machen. und wenn du sagen kannst, dass du das, was du liebst, zu deinem beruf gemacht hast, ist das echt der best case!

was wolltest du als kind werden?
als kind wollte ich tatsächlich moderatorin werden – haha! ich hab immer meine familie unterhalten und bin mit einem mehr oder weniger imaginären mikrofon rumgerannt. ganz verschwunden ist das bis heute nicht: wenn ich im auto sitze, forme ich die hand zu einem mikro und singe die lieder aus dem radio mit – stifte würden sich natürlich auch eignen ;-))

zickezacke

liebe hannah, tausend dank für deine tausend worte. und die vielen bilder, die deine arbeit visuell greifbar und verständlich machen. wer mehr sehen mag: klick ich bin gespannt, wie es mit dir und deinem stil weitergeht und wünsche dir und deinen lieblingen, den lettern, dass ihr eine geile zeit zusammen habt.

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